Wanderwege der Wölfe
Neue Erkenntnisse über Wölfe in Deutschland
Wölfe waren in Deutschland lange Zeit ausgestorben. Erst vor 11 Jahren wurde wieder ein Wolfsrudel in Deutschland entdeckt. Die Tiere waren aus Polen erneut eingewandert. Heute leben wieder 12 Rudel und mehrere Paare und Einzeltiere in unserem Land. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) untersuchte nun in einer Studie wie sich Wölfe ausbreiten.
In der Regel verlassen Jungwölfe im Alter zwischen 1 und 3 Jahren ihr elterliches Rudel. Dann suchen sie sich einen Paarungspartner und besetzen ein eigenes Gebiet, in dem sie leben, ein sogenanntes Territorium. Um herauszufinden, wie und wann das passiert, wurden sechs Wölfe mit GPS-Sendern ausgestattet. Die Funkdaten wurden zwischen 2009 und 2011 gesammelt und ausgewertet.

Ein europäisches Wolfspaar (Foto: Gunner Ries / Wikipedia.de)
Leistungsstarke Wanderer
Die Ergebnisse verblüffen selbst Fachleute: Wölfe können mehr als 70 km pro Tag zurücklegen und überwinden dabei sogar Flüsse und Autobahnen. Sie fühlen sich in vielen unterschiedlichen Lebensräumen wohl – sofern man sie in Ruhe lässt.
„Wir wissen jetzt endlich, welche Wanderleistungen Wölfe vollbringen, aber auch, wie groß die Unterschiede dabei sein können“ sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel. „Während ein junger Wolf nach 12 Monaten das Rudel verlassen hatte und in etwa zwei Monaten 1.550 km weit nach Weißrussland wanderte, blieb ein Weibchen auch noch nach mehr als zwei Jahren bei seiner Familie.“
Auch das Territorium eines Wolfes kann sehr unterschiedlich groß sein. Die kleinsten Gebiete sind 49 km2 groß. Das entspricht der Fläche von knapp 7000 Fußballfeldern. Im Durchschnitt leben Wölfe aber sogar in Gebieten die mehr als dreimal so groß sind.
Wölfe in der Nähe vom Menschen
Die Untersuchung hat außerdem gezeigt, dass sich Wölfe nicht nur in Wäldern aufhalten, sondern auch in offenem Gelände wie Heideflächen. Manchmal blieben die Wölfe sogar längere Zeit in der Nähe von großen Straßen, auf denen viele Autos fahren. Ein erwachsenes Weibchen legte weniger als 500 Meter von einer solchen Strasse entfernt sogar mehrere Höhlen an, um ihre Jungen dort aufzuziehen.
„Wölfe brauchen also keine Wildnis“ fasste die BfN-Präsidentin zusammen, „sondern sie können sich an unterschiedliche Lebensräume anpassen. Man sollte sich deshalb überall in Deutschland auf das Erscheinen des Wolfes einstellen.“ Fürchten braucht man sich vor dem Wolf aber nicht, denn Wölfe sind scheue Tiere, die Angst vor dem Menschen haben und am liebsten in Ruhe gelassen werden.





