Der Feldhamster (Cricetus cricetus)
Ein liebenswerter Eigenbrötler
Vor 50 Jahren zählte der Feldhamster in einigen Regionen noch zu den Schädlingen in der Landwirtschaft, weil zahlreiche Exemplare in Getreidefeldern durch emsiges Einsammeln von Feldfrüchten die Ernteerträge stark schmälerten. Heute sind die Feldhamster in Deutschland sehr stark gefährdet und kommen nur noch in wenigen Regionen vor. Dies ist eine Folgeerscheinung der modernen industriellen Landwirtschaft mit all ihren negativen Merkmalen.
Lebensweise
Der Feldhamster ist dämmerungs- und nachtaktiv. Er legt sich große Bauten unter der Erde an, die er als Einzelgänger bewohnt und die über viele Ein- und Ausgänge verfügen. Er bewohnt gerne landwirtschaftliche Kulturflächen und bevorzugt mehrjährige Feldfutterkulturen und zwar neben Rotkelle besonders die Luzerne. Obwohl der Hamster ein Allesesser ist, lebt er überwiegend von Pflanzenkost. An tierischer Nahrung nimmt er Regenwürmer und auch Feldmäuse zu sich. Das erstaunlichste Organ des Feldhamsters ist sein Magen. Er besteht aus zwei Kammern, seine Bauart erfüllt Anforderungen von Wiederkäuern und nichtwiederkäuenden Pflanzenfressern. Eine Eigenart der Hamster ist die Fähigkeit, Nahrung in den Backentaschen zu sammeln, die sie dann in den Vorratskammern ihres Baus entleeren. Feldhamster halten in der nahrungsarmen Zeit kurzzeitig Winterschlaf. Dabei senken sie die Körpertemperatur von über 32 Grad auf etwa vier Grad. Der Hamster unterbricht seinen Schlaf etwa alle fünf Tage, um aus seinen angelegten Vorräten Nahrung zu sich zu nehmen. Als ausgesprochen sauberes Tier setzt er dann seinen Kot regelmäßig an einem besonderen Kotplatz ab, der im Bau blind endet.
Übrigens wohnen Weibchen und Männchen meistens getrennt. Das liebende Männchen darf die ansonsten recht unleidliche Angebetete nur zur Paarungszeit in ihrer Höhle besuchen. Sobald er seine Schuldigkeit getan hat, fliegt er raus. Nach einer Tragzeit von 18 bis 20 Tagen kommen jährlich zwei Würfe von vier bis zwölf Jungen zur Welt. Weil das Weibchen nur acht Zitzen hat, überleben aber nur acht Junge. Die Neugeborenen sind nackt und blind und wiegen 7 Gramm. Nach zwei Wochen öffnen sie die Augen und sind bereits dicht behaart. Nach drei Wochen sind sie selbstständig und verlassen den Bau.
Der Feldhamster setzt sich gegen Mensch und Tier mit unwahrscheinlicher Kühnheit zur Wehr. Dazu richtet er sich zunächst männchenmachend in Imponierhaltung auf und wetzt dabei schnatternd und ziemlich laut die Zähne. Dann springt er knurrend, fauchend und schrill kreischend seinen Gegner in hohen Sätzen an. Durch diesen Überraschungsangriff rettet er häufig Freiheit und Leben.
Aussehen
Grundsätzlich ist seine Oberseite gelblichbraun, die Unterseite schwarz. Flanken und Halsband zeigen sich rotbraun, und charakteristisch sind die weißgelben Flecken an den Wangen, der Vorderseite und Hinterseite der Arme und die kleinen Flecken hinter den Ohren. Feldhamster werden zwischen 24 und 34 cm groß, wobei die Männchen größer sind als die Weibchen. Sie wiegen bis zu 500 Gramm.



