Naturschutz im Meer
Das Wattenmeer vor den Niederlanden, Deutschland und Dänemark ist einzigartig. Als Brutplatz unzähliger Wasservögel und Rastgebiet für viele Zugvögel ist es auch international bedeutsam. Aus diesem Grund ist der allergrößte Teil des Wattenmeeres seit rund 25 Jahren als Nationalpark ausgewiesen und damit streng geschützt.
Mehr Informationen über das Wattenmeer findest du hier.
Doch was passiert auf dem offenen Meer? Gibt es auch weit vor der Küste Schutzgebiete, die die Meerestiere und ihren Lebensraum erhalten?
Meeresschutz jenseits der Küste
Zu jedem Land, das am Meer liegt, gehört ein bestimmtes Meeresgebiet. Dieses Gebiet wird aufgeteilt in die Hoheitsgewässer (bis 12 Seemeilen vor der Küste) und die 200-Seemeilen-Zone. In dieser Zone hat der Küstenstaat ganz bestimmte Rechte und Pflichten. Zu den Rechten gehört es zum Beispiel, innerhalb seiner 200-Seemeilen-Zone den Bau von Windkraftanlagen und Ölplattformen zuzulassen oder den Abbau von Kies und Sand aus dem Meer zu erlauben. Zu den Pflichten gehört der Erhalt des Meeres als Lebensgrundlage für Tiere und Menschen.
Knapp 33.000 Quadratkilometer Meeresfläche gehören in Nord- und Ostsee zu Deutschlands 200-Seemeilen-Zone. Dieses Gebiet, in dem große Fangflotten unterwegs sind, um Fische zu fangen, in dem nach Öl gebohrt wird und neuerdings Windkraftanlagen entstehen, nennt man offiziell auch "ausschließliche Wirtschaftszone" (AWZ). Das Leben spielt sich hier hauptsächlich unter Wasser ab - und ist deshalb schwer zu beobachten und schon alleine aufgrund der großen Entfernung zur Küste viel schwieriger zu schützen. Trotzdem hat Deutschland einen Teil seiner AWZ zu Schutzgebieten erklärt, weil in diesen Bereichen des Meeres empfindliche und gefährdete Arten und Lebensräume vorkommen. Diese sind sogar für ganz Europa bedeutsam. Im Rahmen des gemeinsamen europäischen Schutzgebietsprogramms "Natura 2000" sollen diese Gebiete nun bewahrt werden (siehe Kasten rechts).
Was macht Nord- und Ostsee so schützenswert?
Sandbänke und Felsriffe unter Wasser sind Tummelplätze für besonders viele verschiedene Arten. Hier gedeihen riesige Algen, die kleinen Meerestieren Schutz bieten. Hier siedeln unzählige Muscheln, die wiederum viele verschiedene andere Meeresbewohner ernähren. Und hier kommen auch große Fische zum Jagen hin, denn der Tisch ist immer reich gedeckt. Davon profitieren auch die Meeressäugetiere: Robben und Schweinswale machen reiche Beute. Die kleinen Wale ziehen hier auch ihre Jungen auf.
Viele Gründe also, das Meer hier besonders zu schützen. Seit 2008 sind deshalb in der Nordsee vier, in der Ostsee sechs solcher europäisch bedeutsamer Gebiete an die EU gemeldet worden mit dem Ziel, hier einen wirksamen Naturschutz aufzubauen.
Hier kannst du dir Filme aus den verschiedenen Meeresschutzgebieten in Nord- und Ostsee anschauen.
Wie wirksam ist der Meeresschutz?
Mit der Umsetzung des Meeresschutzes klappt es an den deutschen Küsten ja schon ganz gut - schließlich gibt es die Nationalparke im Wattenmeer ja auch schon etliche Jahre.
Mit dem Schutz auf hoher See sieht das ein bisschen anders aus. Gefischt wird in den Schutzgebieten nämlich trotzdem, auf den Riffen und in ihrer Umgebung wird Kies abgebaut und nach Gas gebohrt. Auch ein Windpark wird wohl mitten in einem Schutzgebiet in der Nordsee gebaut werden, denn der ist schon vor langer Zeit genehmigt worden. Damals gab es hier noch kein Schutzgebiet.
Naturschutzgebiete ohne Naturschutz sind aber nutzlos. Das will der deutsche Staat ändern, und zwar durch Forschung und Verhandlungen. Im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Bundesamtes für Naturschutz erforschen Meeresbiologen das Meer und die See in den Schutzgebieten. Je mehr sie über das Leben unter Wasser und die Gefährdung durch den Menschen erfahren, desto besser können sie Maßnahmen zum Schutz entwickeln, die dann auch in neue Gesetze aufgenommen werden. Empfehlungen der Wissenschaftler bilden die Grundlage für die Verhandlungen, die dann die Politiker untereinander oder mit den Vertretern der anderen Staaten führen müssen.
Das Ganze ist ein zäher Prozess und sicher wird es noch Jahre dauern, bis der Artenreichtum auch auf offener See wirksam geschützt wird.
Wie steht es um unsere Speisefische?
Bis es soweit ist und die Bewohner unserer Meere wirksam geschützt werden, kannst du schon etwas tun: Fisch ist gesund, aber nicht jeder Fisch sollte gegessen werden. Manche unserer Speisefische sind selten geworden, weil viel zu viele von ihnen gefangen werden. Zwar gibt es jedes Jahr neue "Fangquoten", die genau festlegen, wie viele Tonnen von einer Fischart gefangen werden dürfen. Die sind aber häufig viel zu hoch. Obwohl Wissenschaftler jedes Jahr aufs Neue Fangmengen empfehlen, die den Schutz der Fischbestände gewährleisten sollen, einigen sich die verantwortlichen Minister der EU immer wieder auf viel größere Mengen. Das führt dazu, dass einige Fischbestände so stark zurück gegangen sind, das sie sich kaum erholen können.
Hier kannst du ein Online-Spiel spielen und viel darüber erfahren, welche Fischarten du ohne schlechtes Gewissen essen kannst und welche du besser weglassen solltest:











