Rückkehr der Wölfe
Wölfe: Die lange Rückkehr von Canis lupus nach Deutschland!

(John and Karen Hollingsworth @wikipedia.de) Eurasischer Wolf (Canis lupus lupus)
Um die Wölfe ranken sich viele Mythen, schöne Geschichten und Schauermärchen. Das Märchen „Der Wolf und die sieben Geißlein“ kennt jedes Kind, und auch das Märchen von „Rotkäppchen und der böse Wolf“. Romulus und Remus, die beiden Stadtgründer Roms sollen der römischen Mythologie zufolge von einer (heiligen) Wölfin gesäugt und aufgezogen worden sein. Oder nehmen wir Rudyard Kiplings Romanfigur Mogli, ein kleiner Junge, der in einem Wolfsrudel aufwächst und ein Kind des Dschungels ist. Auch der Roman „Wolfsblut“ vom englischen Schriftsteller Jack London war ein Welterfolg. Er beleuchtet die vielfältigen besonderen Beziehungen, die seit mindestens 15.000 Jahren zwischen Wolf und Mensch bestehen. Schließlich wurde der Wolf damals das erste Nutz- und Haustier des Menschen. Und ein treuer Freund und geliebter Jagdgefährte für den Steinzeitjäger. Der Wolf gilt als die Stammform aller Hunde, egal, wie merkwürdig die heute aussehen.
Vom Wolf siegen lernen

(Retron@wikipedia.de) Nordamerikanischer oder Mackenzie Wolf (Canis lupus occidentalis), diese Unterart gehört zu den größten Wölfen überhaupt
Ihr Familienzusammenhalt und ihre Partnertreue sind vorbildhaft, genau so, wie ihre intelligenten Jagdtechniken und ihre perfekte Zusammenarbeit im Rudel. Jagdtechniken, von denen der jagende Steinzeitmensch Einiges lernen konnte. Entsprechend wurde der Wolf als heiliges Tier verehrt.
Der Wolf ist eine überaus variable und anpassungsfähige Großraubtierart aus der Familie der „Hundeartigen“ (Canidae), die vom Polarkreis bis hin zu den Wüsten Afrikas viele verschiedene Lebensraumtypen besiedeln kann. Er kommt weltweit in mehr als 10 Unterarten vor (die untereinander kreuzungsfähig sind, also fruchtbare Nachkommen erzeugen), mit deutlichem Schwerpunkt auf der nördlichen Hemisphäre: Er fehlt jedoch in der Antarktis, in Südamerika und in Australien. Und in Afrika ist er nur am äußeren nördlichen Rand im arabischen Raum vertreten. In südlicheren Gefilden sind Wölfe kleiner, leichter und von oft gelbbräunlicher Färbung (z.B. arabischer Wolf). Im hohen Norden wirken Wölfe nicht nur wegen ihres wolligen Pelzes größer und massiger, als die mitteleuropäischen. Sie sind tatsächlich etwas größer und schwerer. Bis heute haben sich in Mitteleuropa kleine Restbestände des europäischen Wolfes auf der Iberischen Halbinsel (Spanien, Portugal), sowie auf dem Apennin (Italien) in den Abruzzen erhalten. Aber auch in den Karpaten, sowie in Polen, Russland und den baltischen Staaten sind noch Wölfe in Freiheit anzutreffen.
Der Wolf ist Tier des Jahres 2003.

Stammen beide vom Wolf ab: Größte und kleinste Hunderasse Chihuahua und Dänische Dogge (Zuchtrassen von Canis lupus familiaris, Quelle: cc-by-sa Ellen Levy Finch@wikipedia.de)
(Diese Wahl traf die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild)
Die Art wurde in West- und Mitteleuropa Jahrhunderte lang als Nahrungsschädling erbarmungslos bejagt und damit weitgehend ausgerottet. In Deutschland wurde der letzte freilebende Wolf 1904 in der Lausitz erschossen. In vielen Nachbarländern erging es dem Wolf genauso.
Doch fast genau 100 Jahre nach der Ausrottung in Deutschland wurden im Jahr 2000 erstmals wieder in deutschen Ländern geborene, frei lebende Wolfswelpen gesichtet, ebenfalls in der Lausitz (Sachsen). Und zwar erfolgte die Wiederbesiedlung ohne menschliches Zutun spontan aus polnischen Beständen. Heute - 10 Jahre später, gibt es außer in Sachsen auch in Brandenburg wieder Wölfe.
Insgesamt existieren nun 7 Wolfsrudel mit zusammen 50 bis 60 Tieren in Deutschland. Im Moment gestaltet sich das Zusammenleben von Mensch und Wolf weitgehend friedlich. Allerdings siedeln die bestehenden Rudel bisher hauptsächlich in besonders abgeschiedenen Räumen, auf ehemals militärischem Übungsgelände an der deutsch-polnischen Grenze.
Die betroffenen Bundesländer haben extra Wolfsbeauftragte in den Landesumweltämtern ernannt, die Streitigkeiten schlichten, Fragen zum Wolf beantworten und Schadensersatzansprüche regulieren helfen sollen.
Im Bundesamt für Naturschutz geht man davon aus, dass in Deutschland (rein rechnerisch) etwa 400 Rudel Raum und Möglichkeiten hätten, um sich selbst zu versorgen. Aber das ist nur eine theoretische Größenordnung. Entscheidender Faktor wird die Akzeptanz vor Ort sein, also, ob Wölfe in der Region, in den umliegenden Bergen, in den Tälern und Wäldern, sowie in der Nähe von menschlichen Siedlungen geduldet werden. Diese Duldungszahl wird sich irgendwo zwischen 400 und eher näher bei den 7 bestehenden Rudeln einpendeln. Gegenwärtig steht der Wolf unter strengem Artenschutz. Allerdings fordern jetzt bereits schon einzelne Jäger und Jägervertreter in der Lausitz eine kontrollierte Bejagung der dort lebenden Wölfe.
Es liegt also an uns Menschen, wie viel Raum wir zukünftigen Wolfsgenerationen in Deutschland zum Zusammenleben einräumen werden.





