Krötenwanderung
Achtung, jetzt ist wieder Krötenwanderung!

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Glitschige Kröten? Nein Danke! Oder etwa doch? Viele Naturdetektive sind Freunde der Erdkröte (Bufo bufo). Man muss sie ja nicht grade küssen. Aber tief in die Augen sehen, das lohnt schon. Die sind nämlich wunderschön. Und sehr viele helfen den Erdkröten in jedem Jahr wieder in unserem Land über die Straßen. Denn jetzt, Ende Februar/Anfang März, beginnen die Erdkröten wie jedes Jahr mit der Wanderung zu ihren Laichgewässern. Und für uns Naturdetektive sind Erdkröten äußerst interessante Studienobjekte! Das fängt schon an mit dem deutlichen Größenunterschied bei den Geschlechtern: nicht wie bei uns der Mann, sondern die Frauen sind es, die bei den Erdkröten wesentlich größer und schwerer werden (Geschlechtsdimorphismus).
Überlebensprinzipien (Strategien) von Arten

(cc-by-sa JKL-Foto@wikipedia.de) | Schau mir in die Augen, Kleines!
Wer einmal einen Tümpel entdeckt hat, in dem Erdkröten ablaichen und wo die schlüpfenden schwarzen Larven - die Kaulquappen - aufwachsen, der ist erstaunt über die schier unglaubliche Menge an neuen Nachkommen. Manchmal ziehen riesige Schwärme wie schwarze Wolken durchs Wasser. Jedes Erdkrötenpärchen ist in der Lage, mit den langen Laichschnüren, die das Weibchen ausstößt, hunderte von Nachkommen auf einmal zu produzieren. Stellt Euch einmal vor, beim Menschen würde die Fortpflanzung genau so funktionieren und ihr hättet so viele Geschwister!
Die Ökologie kennt für die beiden Beispiele zwei Begriffe: diejenigen Arten, die ihren Fortbestand mit hoher Reproduktionsrate sichern, wie das unsere Erdkröte hier ohne Zweifel tut, bezeichnet man als sogenannte „R-Strategen“, während der Mensch ein typisches Beispiel für das andere Modell ist: die so genannten K-Strategen. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das soviel wie: der eine vertraut auf die pure Menge an Nachkommen (R = hohe Quantität), um als Art zu überleben, der andere vertraut auf die Fürsorge (K = Qualität), indem er intensiv Brutpflege und -fürsorge betreibt. Der Mensch vertraut bei der Reproduktion (Vervielfältigung) auf eine deutlich niedrigere Reproduktionsrate und setzt aber sehr viel Energie und Fürsorge darein, um seinen Nachwuchs möglichst ohne Verluste erfolgreich groß zu ziehen (18 Jahre Fürsorge, um seinen Nachwuchs groß zu ziehen; extrem aufwendig, aber auch sehr erfolgreich!). Die Erdkröte dagegen tut nichts dergleichen. Sie vertraut auf die große Menge von Nachkommen und kümmert sich nicht um ihre Kinderschar. Die müssen von alleine sehen, wie sie zu recht kommen. Aber auch diese Fortpflanzungsstrategie ist durchaus erfolgreich. So ist die Erdkröte neben dem Grasfrosch, dem Teichfrosch und dem Teichmolch die häufigste Amphibienart in Europa.
Amphibien bewohnen zwei sehr verschiedene Lebensräume

(cc-by-sa Christian Fischer, HylaArborea-CallingMale@wikipedia.de) Rufendes Laubfroschmännchen mit Schallblase, die das Rufen enorm verstärkt

(cc-by-sa Christian Fischer, BufoBufoTadpoles@wikipedia.de)) Kaulquappen der Erdkröte
Die Erdkröte ist als amphibisches Lebewesen ein wechselwarmes Tier (ohne eigene Regulierung der Körpertemperatur), das überwiegend dämmerungsaktiv ist. Tagsüber ruhen die Tiere unter Steinen oder Totholz, im Laub verborgen, sowie unter Gebüsch oder in Erdlöchern. Als Landlebensräume besiedeln sie ein breites Spektrum von Biotopen, das von Wäldern über halboffene Landschaften aus Wiesen, Weiden und Hecken bis zu naturnahen Gärten reicht. Es verwundert vielleicht, aber im Vergleich zu anderen Amphibienarten kommt die Erdkröte auch in wechselfeuchten bis trockenen Wäldern vor, das heißt, an recht trockenen Plätzen, wo man Amphibien nicht vermuten würde. Eine grüngelblich bis braune warzige Haut hilft, die bei den meisten anderen Tieren glatten Körperkonturen zu verwischen. So werden sie nicht so schnell entdeckt und verschmelzen gleichsam mit dem erdigen Untergrund. Die Warzen sind gleichzeitig Drüsen: Darin wird ein leicht giftiger und antibakteriell wirkender Schleim produziert, der sie für viele Fresslustige ungenießbar macht. Einmal probiert, haben sie nie mehr Hunger auf Erdkröten. Leider hilft das nicht bei allen hungrigen Räubern. Denn die Erdkröte lebt sehr gefährlich. Sie ist nicht schnell. Eine Kröte hüpft nicht gern und schreitet lieber gemächlich daher. Die Krötenmännchen haben übrigens keine Schallblasen wie die Froschmännchen, so dass ihr Rufen nur sehr leise zu hören ist.
Entwicklung und Metamorphose

Als amphibisch lebendes Tier hat die Erdkröte trotz ihres überwiegenden Landlebens in Wäldern und Gebüschen einen deutlichen Bezug zu Wasser. Den ersten Teil ihres Lebens verbringen sie vollständig im aquatischen Lebensraum (Aqua = Wasser), den sie erst im Laufe ihrer körperlichen Reifung verlassen. Dazu müssen sie eine Metamorphose - d.h. eine sehr weitgehende körperliche Umwandlung durchmachen. Z.B. entwickelt sich der kräftige Ruderschwanz zurück, ebenso die Kiemen und es entwickeln sich neu Gliedmaßen und Lungen für die atmosphärische Gasatmung, wie wir Menschen sie auch praktizieren. Der Lebensraum Wasser wird von nun an nur noch gelegentlich als Ablaichmedium genutzt.
Bei uns Säugetieren vollzieht sich der Umbau des Körpers in der Fötalphase unsichtbar im Mutterleib: Auch wir Menschen entwickeln in einer frühen Entwicklungsphase Kiemen und eine Schwanzwirbelsäule, die dann in der weiteren Entwicklung des Fötus rückentwickelt bzw. zu anderen Organen umgestaltet werden. Die Kiemenbogen bilden später das Hörsystem, und beim Menschen verknöchern die Schwanzwirbel und werden als kümmerlicher Rest zum sog. „Steißbein“ umgebaut.
(cc-by-sa CLauter,Bufo metamorphosis@wikipedia.de)






