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Edelsteine der Natur

"Edelsteine" der Natur gibt es auch in Deutschland

Gemeinhin wird so erzählt, in Afrika - oder jedenfalls im Süden - wären alle Tiere und Pflanzen schöner und bunter. Die bunten Korallenfische im Meer, die vielen exotischen Vögel in oft fantastischen Farben! Das stimmt natürlich bis zu einem gewissen Grad auch tatsächlich. Aber bei näherem Hinschauen finden wir Naturdetektive beeindruckende Schönheiten auch hier in Deutschland. Einige von ihnen will ich hier vorstellen. Am besten beobachtet ihr sie mit dem Fernglas!

Unser Eisvogel, neuerdings ein Kulturfolger

(cc-by-sa-2.5, Lukasz Lukasik, Alcedo_atthis_2@wikipedia.de) Eisvogel

Der Eisvogel (Alcedo atthis) als Art hat die teils massiven menschlichen Eingriffe in seinen Lebensraum - die Flussauen und Auenwälder - im dicht besiedelten Deutschland bisher gut überstanden. Seine Bestände sind gegenwärtig nicht bedroht. Sie erholen sich sogar wieder und es setzt eine interessante, auch schon bei anderen Tierarten beobachtete Entwicklung ein: aus einem „Kulturflüchter“ wird allmählich ein „Kulturfolger“, der sich mehr und mehr an die Nähe des Menschen gewöhnt. So kann man ihn bereits an geeigneten Stellen in Parkanlagen größerer Städte sehen. Grund hierfür ist wohl das überaus verlockende Angebot an Goldfischen! Elstern, Amseln, Reiher und Ringeltauben haben ihm schon vor Jahrzehnten vorgemacht wie es geht, und bereichern heute die Tierwelt unserer Städte.

Geholfen haben hier sicherlich die Anstrengungen zur Gewässerreinhaltung und - sanierung durch das Einleitungsverbot von ungefilterten Abwässern und den Bau von mehrstufigen Kläranlagen. Ideal sind lehmige Steiluferböschungen in ihrem Lebensraum, in die sie mit dem starken, geraden Schnabel Nisthöhlen hacken können. Das Nest liegt über der Hochwassermarke und so tief im Steiluferhang, dass Nesträuber nicht einfach eindringen können. Die Brutröhre kann bis zu einem Meter lang sein. Eisvögel leben den größten Teil des Jahres allein. Jedes Tier beansprucht ein recht großes Revier, mitunter mehr als anderthalb Flusskilometer. Der Winzling wiegt nur 40 Gramm. Sie fressen ausschließlich Frischfisch, den sie sich selbst im Sturzflug tauchend sommers wie winters in eisfreien Fließgewässern erjagen.

 

Der Alexandersittich (Psittacula eupatria), eine neue Tierart in Deutschland

Alexandersittich im Baum

(cc-by-sa-2.5 Fritz Geller-Grimm, Psittacula_fg03@wikipedia.de) Alexandersittiche erobern die Städte entlang des Rheins

Ein Neubürger in Deutschland ist der Große Alexandersittich. Anders als beim Bienenfresser handelt es sich beim Alexandersittich nicht um eine natürliche Zuwanderung, sondern um die verwilderten Bestände aus entflogenen, ehemaligen Käfig- und Zuchthaltungen. Inzwischen vermehrt er sich und breitet sich aus. Der Alexandersittich findet sein Nahrungsangebot im Winter hauptsächlich in städtischer Umgebung. Dort profitiert er von Tierfütterungen (Vogelhäuser) und den Samen vielfältiger, teils exotischer Bäume, die bei uns natürlicherweise im Wald nicht vorkommen. Sein Nahrungsspektrum umfasst pflanzliche Kost aller Art, wie z. B. Samen, Getreide, Nüsse, Obst, Knospen. Es ist daher kein Wunder, dass die Sittich-Brutkolonien fast ausnahmslos in Parkanlagen zu finden sind, obwohl sie ganzjährig in größeren Gruppen auch auf Feldern nach Futter suchen.

Das mutwillige Freilassen von exotischen Tierarten ist verboten. Man nutzt dafür den Begriff "Faunenverfälschung". Es kann nämlich sein, dass neue, standortfremde Arten die einheimischen Arten verdrängen. Es gibt genügend solcher Negativbeispiele: der Ochsenfrosch, die Agakröte, die Nutria, der Mink, die Regenbogenforelle, der Amerikanische Flusskrebs u.v.m. Sie alle bereiten den alt eingesessenen Tierarten zum Teil erhebliche Probleme. Im Falle des Alexandersittich scheint die Neubesiedelung jedoch bislang noch unkritisch zu sein.

Der Wiedehopf (Upupa epops), ein Steppenvogel

Wiedehopf auf Felsen

(cc-by-sa-2.5 Arturo Nikolai, ABUBILLA (Upupa epops)@wikipedia.de) Seinen Namen Upupa verdankt der Wiedehopf seinen merkwürdigen Lauten, ähnlich wie "uup" "uup"

 „Der Wiedehopf, der Wiedehopf, der trägt ’ne Haube auf dem Kopf“. Dieser Kinderreim kennzeichnet die Besonderheit der Familie der Wiedehopfe: Ähnlich einem Kakadu tragen ihre Mitglieder eine Haube, die sie aufstellen können. Zusammen mit den gestreiften Flügeldecken, dem rostroten Hals und dem langen, gebogenen Schnabel ist der Wiedehopf eine absolut ästhetische Erscheinung. Sein Hauptverbreitungsschwerpunkt als typischer Steppenvogel sind die weiten Ebenen in Osteuropa und Asien. Aber es gibt auch noch Vorkommen in West- und Südeuropa, wie Spanien, Italien und Frankreich.

In Deutschland ist der Wiedehopf ein seltener, aber regelmäßig vorkommender Brutvogel, der infolge seiner Seltenheit unter Schutz steht. Bei uns besiedelt er bevorzugt großflächige Heiden und Truppenübungsplätze. Er braucht halboffene bis offene Landschaften, jedoch ohne intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen. Weil solche Landschaften in Deutschland ziemlich selten sind, ist auch der Wiedehopf hierzulande selten. Der Wiedehopf ist ein Kulturflüchter. 

Der Wiedehopf nistet in Baumhöhlen, Ast- oder Mauerlöchern. Bereits Nestlinge geben aus ihrer Bürzeldrüse einen intensiven, übelriechenden Geruch ab. Daher stammt wahrscheinlich der Ausdruck im Volksmund, „stinkt wie ein Wiedehopf“! Mit Sicherheit ist dieser Gestank eine Abwehrmaßnahme und hauptsächlich gegen Beutegreifer gerichtet, um ihnen den Appetit auf junge Wiedehopfe zu verderben.

Ebenfalls ein Neubürger in Deutschland, der Bienenfresser

Bienenfresser auf Pfahl sitzend

(cc-by-sa Wilfried Fiebig, Bienenfresser-(Merops_apiaster)-im-Kaiserstuhl@wikipedia.de) Bienenfresser sind geschickte Jäger, sie fangen Insekten auch im Flug

Ein noch ziemlich unbekannter, aber ausgesprochen hübscher Vertreter unserer heimischen Fauna ist der Bienenfresser (Merops apiaster). Bei dem Bienenfresser handelt es sich um einen Neubürger in Deutschland. Seit Jahren erleben wir eine natürliche Besiedelung aus Süd und Südost in Süddeutschland und Thüringen, wo er mittlerweile zuverlässig brütet. Für seine Bruthöhlen benötigt der Insektenfresser steile, lehmige Abbruchkanten, wo er gerne gesellig in Kolonien nistet.

 

 

 

 

Ist der Alexandersittich ein Kulturfolger, oder ein Kulturflüchtling?
A oder B oder C - nur eine Antwort ist richtig.
A Ein Kulturflüchtling, weil er aus Käfighaltung entflohen ist
B Kulturfolger, weil er die Nähe des Menschen sucht und im Stadtgebiet brütet
C weder noch, weil er beides ist: Flüchtling und Kulturfolger

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Die Goldamsel

Pirolmännchen

(cc-by-sa-3.0 Dixi@wikipedia.de) Einer unserer schönsten Vögel ist der Pirol.

Der Pirol wird auch Goldamsel genannt. Abgesehen von der Buntheit der Männchen hat er tatsächlich eine starke Ähnlichkeit mit unserer Schwarzdrossel (Amsel) und ist in etwa auch gleichgroß. Und ähnlich wie die Amsel ist er ein begabter Sänger mit einer wohltönenden, flötenden Singstimme. Obwohl diese Art in Deutschland nicht häufig ist, ist sie doch ein regelmäßig vorkommender Brutvogel hauptsächlich im südlichen Teil Deutschlands. Er ist ein Zugvogel, der schon sehr frühzeitig kurz nach der Jungenaufzucht das Revier verlässt und wieder gen Süden nach Afrika zieht.

Weitere bekannte und attraktive Vogelarten

Buntspecht

(cc-by-sa-2.5, Marek_Szczepanek, Dendrocopos_major_2 @wikipedia.de) Buntspecht

Elster

(Benutzer123 @ de.wikipedia.org) Elster im Flug

Zu den bekanntesten und gewöhnlichsten, sehr hübschen heimischen Vögeln gehören sicherlich die Elster und der Buntspecht. Während die Elster ein typischer Kulturfolger ist und aktiv die Nähe zu den menschlichen Behausungen sucht, ist der Buntspecht ein typischer Vogel des Waldes. Er ist in seinem Lebensraum angewiesen auf sog. "Totholz", also abgestorbene, aber noch aufrecht stehende Bäume.

In Kürze: Was bedeuten die Begriffe

1. Kulturflüchter (Hemerophob)?
Tierarten, die eine Beeinflussung ihres Lebensraums durch den Menschen nicht tolerieren und bei Störungen abwandern (z. B. Schwarzstorch, Auerhahn, Seeadler).
2. Kulturfolger (Hemerophil)?
Tierarten, die die Nähe zum Menschen zu ihrem Vorteil nutzen gelernt haben, wie z. B. Maus, Ratte, Rabenvögel, Weißstorch, Möwe, Spatz, Amsel.
3. Faunenverfälschung?
Veränderung des Arteninventars - nicht durch natürliche Zuwanderung - aber durch von Menschen künstlich herbeigeführte, gewollte oder ungewollte Neubesiedelungen.

2010 Jahr der Biologischen Vielfalt

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Weitere Information unter
 www.biologischevielfalt.de

Letzte Änderung: 16.03.2010

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