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Lexikon

Raubtiere in Deutschland - Teil 1

Raubtiere in Deutschland - Teil 1

(Foto: nabu ) Der Wolf (Canis lupus), ein typischer Superprädator, hat in Deutschland wieder Fuß gefasst. Er schreckt auch vor größeren Huftieren, wie Elch, Wisent und Rotwild nicht zurück. Er war nahezu 100 Jahre lang in Deutschland verschollen (ausgestorben). Nun gibt es im Osten, an der deutsch/polnischen Grenze, wieder eine kleine Wolfspopulation. Ihm wird nur einer gefährlich: Der Mensch.
Wolf (Lupus lupus)
(Foto: Malene Thyssen @wikipedia.de) Der Braunbär (Ursus arctos arctos) ist ein Superprädator . Auch ihm wird nur der Mensch gefährlich. Eigentlich ist er ein heimisches Groß-Raubtier, das allerdings ebenfalls fast ein Jahrhundert lang ausgerottet ist. Es kommt allerdings in den Alpen immer wieder mal zu Einwanderungen aus den südlichen Nachbarstaaten, so dass eine Wiederein-bürgerung prinzipiell möglich erscheint, sofern der Mensch das zulässt.
Braunbär (Ursus arctos)

Teil 1 - Großraubtiere (Superprädatoren)

Teil 2 - räuberische Kleinsäuger

Teil 3 - räuberische Pflanzen

Viele finden „Raubtiere“ (lat. Carnivora, Ordnung der Säugetiere) nicht so „nett“, wie die harmlosen und zum Teil possierlichen Pflanzenfresser, die fast durchweg Sympathieträger sind. Bei unseren Hunden und Katzen will man aber durchaus schon mal eine Ausnahme machen. Und wie steht es mit Dachs, Fuchs, Iltis, Hermelin, Nerz, Mink, Steinmarder, Baummarder, Fischotter, Luchs, Wildkatze, Marderhund, Wolf, Waschbär und Bär? Meist nur mit Vorsicht zu genießen und lieber die Finger davon lassen!  Wir wollen hier einmal zeigen, dass sie durchaus auch schön sind.

Keine Frage, wir urteilen da aus unserer direkten Betroffenheit und sind naturgemäß etwas zurückhaltender, was diese Tiere angeht. Denn die scharfen Zähne können im ungünstigen Fall auch uns selber treffen; wir stehen im Prinzip immer noch mitten drin in diesem Lebens- und Nahrungsnetz. Aus einem Jäger kann schon mal ein Gejagter werden. Und ohne unsere künstlichen Distanzwaffen sind wir Menschen ziemlich wehrlos. Zur mangelnden Beliebtheit trägt bei, dass Raubtiere Jagd auf unsere Sympathieträger machen. Das bringt ihnen Minuspunkte im Ansehen ein. Viele Räuber sind auch noch Nahrungskonkurrenten von uns Menschen und ärgern uns öfter einmal durch dreisten Viehraub. Weil sie nicht zwischen „erlaubter“ und „nicht erlaubter Beute“ unterscheiden können. Hier entsteht also auch ein materieller Schaden für den Bauern, der ihn auf Abhilfe sinnen lässt. Wir werden später auf unser besonderes Verhältnis zu den Raubtieren zurückkommen.

Wir sollten nicht vergessen, die Gruppe der räuberisch lebenden marinen Säugetiere (im Meer lebend) zu erwähnen: Den Seehund, die Kegelrobbe und den Schweinswal. Hättet ihr gedacht, dass die beiden Robbenarten zu den "Hundeartigen" gehören und auch zu den "Carnivora" zählen? Diese Meeres-Raubtiere findet man wegen ihrer Kulleraugen und wegen ihrer Ungefährlichkeit für Menschen dann schon wieder niedlich.

Was zählt denn nun alles zu den Raubtieren?

Der nachtjagende Uhu (Bubo bubo) schlägt von der Kröte bis zum Hasen alles, auch Enten und andere Vögel bis Krähengröße. Er selbst ist nur als Jungtier Gefahren ausgesetzt (sieht man mal von der Gefahr durch den Menschen ab) (cc-by-sa 2,5, Softeis__Uhu-muc @wikipedia.de)
Uhu (Bubo bubo)
Seeadler (Haliaeetus albicilla) beim Fischfang. Das Wappentier des westdeutschen Naturschutzes (in Ostdeutschland wird eine Eule auf Schildern verwendet). Mit Ausnahme der Geierarten im Alpenraum ist er in Mitteleuropa der Vogel mit der größten Flügelspannweite. Auch er kennt nur eine Gefahr: den Menschen. (uclax@de.wikipedia)
Seeadler (Haliaeetus albicilla)

Wenn man das Leben mal allgemein und rundherum betrachtet macht es durchaus Sinn, dass es eine durch-gehende Nahrungskette vom Urschleim über die Algen zu den Einzellern und weiter die Verwertungsleiter aufwärts bis zu unseren Raubtieren gibt. Da hinein fügen sich natürlich auch die Pflanzenfresser (Herbi-voren), die zwar ebenfalls fremdes Leben verwerten, nur eben pflanzliches.

Man beachte: Der Begriff "Fleischfresser“  (Karnivore) kann leicht mit der Säugetier-Ordnung "Raubtiere“ (Carnivora) verwechselt und automatisch gleichgesetzt werden. Carnivora sind nicht zwangsläufig Karnivore und Karnivore nicht automatisch Carnivora. Denn es gibt sowohl Fleischfresser, die nicht der Säugetier-Ordnung der "Raubtiere" angehören (Eulen und Raubvögel z.B.), als auch "Raubtiere", die sich überwiegend von pflanzlicher Nahrung ernähren und somit zu den Allesfressern gezählt werden können. Dazu zählen Bären und Dachse, sie haben keine überwiegend karnivore Lebensweise, sondern eine omnivore (Gemischtköstler) wie Menschen, Ratten und Wildschweine auch. Eine Sondergruppe bilden die überwiegend Aas verzehrenden Fleischfresser, wie der wiedereingebürgerte Bartgeier in den Alpen. Er ist kein Beutegreifer, der aktiv Beute macht, sondern er beschränkt sich auf verendete Tiere. Der Bartgeier (Gypaetus barbatus) ist ein Greifvogel aus der Familie der Habichtartigen (Accipitridae).

 

Von Prädatoren, Superprädatoren und Top-Level-Prädatoren

Raubtiere wie der Luchs (Lynx lynx) dominieren die Tierwelt ihres Lebensraums. Die Lebensräume des Luchs sind die Hochgebirgs- und Mittelgebirgswälder Deutschlands. Er war bereits vom Aussterben bedroht, wird aber derzeit erfolgreich an verschiedenen Stellen - wie dem Harz - wieder angesiedelt. Trotzdem bleibt sein Prädator der Mensch. (Foto: cc-by-sa 2, mpiet_Lynx lynx2 @wikipedia.de)
Europäischer Luchs (Lynx lynx)

Das Leben entfaltet sich nach einer simplen Formel: Alles lebt vom Anderen und ermöglicht es so anderem Leben, zu leben. Diese zwischenartlichen Wechselbeziehungen, bei denen Lebewesen andere - oder Teile davon konsumieren, werden als Prädation bezeichnet. Steht ein Prädator in der Nahrungskette ganz oben, spricht man von einem Spitzenprädator (engl. Superpredator). Superprädatoren haben normalerweise keine Feinde in ihrem Lebensraum. Und, dazu gehört dann irgendwie auch der Mensch. Mal ehrlich, habt ihr den Menschen bisher schon in der Aufzählung vermisst? Wir sind doch keine Raubtiere, oder? Formal gehört er selbstverständlich nicht in die Säugetierordnung der "Carnivora".

Doch es ist "Prädator" nach einer verbreiteten Begriffsbestimmung nur die Sammelbezeichnung für Tierarten, die sich von anderen Tieren (von Beute) ernähren, und das tun wir Menschen auch. Der Mensch ist sogar ein Prädator auf höchster Ebene (engl. Top-Level-Predator), weil er auch die größten Tiere (Wale, Elefanten) und die gefährlichsten Großraubtiere (z.B. auch Tiger, Orcas und Haie) in jedem erdenklichen Lebensraum nach Belieben jagt, erbeutet, manipuliert, sie gefügig macht, und sie eben zum Teil auch isst.

 

Braunbär und Mensch - Der eine ist ein "Carnivore", der andere ein "Primat". Was sind sie alle beide?
A oder B oder C - nur eine Antwort ist richtig.
A Herbivoren
B Karnivoren
C Omnivoren

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Eine gemeinsame Entwicklungs-geschichte

Kein Räuber der Superklasse, er muss sich vor allem als Jungtier selbst in Acht nehmen. Trotzdem ein effizienter Hühner-, Mäuse,- Kaninchen- und Hasenjäger. (Foto: cc-by-sa Malene Thyssen @wikipedia.de)
Red Fox

Man könnte meinen, dass die Jäger immer die Stärkeren und daher Überlegenen sind im Überlebenskampf. Doch man muss sich vor Augen führen, dass ja beide, sowohl die Gejagten, als auch die Jäger über Jahrtausende und Jahrmillionen hinweg sich an einander „angepasst“, perfektioniert - und bis heute gemeinsam als Arten überlebt haben. Beide verkörpern also durchaus "modern" zu nennende Typen. Es bestehen gegenseitige Abhängigkeiten für Jäger und Gejagte. Man benutzt dafür den Begriff „ Co-Evolution“ (gemeinsame Entwicklung).

Und, zwischen Räuber und Beute besteht eine feste Räuber-Beute-Beziehung. Das bedeutet, dass eine mathematische Beschreibung hinsichtlich der Abhängigkeit der Beutegreifer von der Anzahl ihrer Beute möglich ist. Ist die Anzahl der Beutetiere hoch, wird allmählich deren Futter knapp. Dadurch erhöht sich die innerartliche Konkurrenz. Außerdem erhöht sich aber nun auch die Anzahl an Beutegreifern, bis diese die Anzahl der Beutetiere so weit verringert haben, dass auch die Anzahl der Jäger wieder abnimmt - und zwar durch Hunger und zunehmenden Jagd-Misserfolg. Dann erst können sich die Bestände der Beutetiere wieder erholen und das Spiel beginnt von Neuem. Das Ganze nennt man Fließgleichgewicht. Es bildet ein plastisches (beweglich bleibendes), aber stabiles System.

Jedes Raubtier besetzt eine oder mehrere „ökologische Nischen“. Das drückt aus, dass die Funktion des Wolfs in der Natur nicht die gleiche ist, wie die des Fuchses. Der Wolf ist in der Lage, im Rudel die größten Weidegänger Europas (Elche, Rotwild und Wisente) zu erjagen. Das kann der Fuchs nicht. Er ist, wie viele andere Kleinräuber auch, auf Mäuse, Kaninchen und Vögel als Beutetiere angewiesen. Beide erfüllen sie also verschiedene ökologische Funktionen. Und, sie sind auf ihre Rolle hin durch ständige Ausleseprozesse optimiert.

 

In Kürze: Was bedeuten die Begriffe

1. Fließgleichgewicht?
Räuber-Beute-Beziehung in gegenseitiger Abhängigkeit
2. Ökologische Nische?
Funktionale Eingliederung eines Lebewesens in seinen Lebensraum
3. Beutegreifer?
Bezeichnung für Tierarten, die ihre Beute aktiv erjagen