Störche
Weißstörche sind viel unterwegs

(cc-by-sa, André Karwath_Ciconia ciconia (aka) @wikipedia.de) Kaum eine andere Vogelart ist so gut untersucht wie der Weißstorch (Ciconia ciconia). Dass deutsche Nestlinge alle einen Identifikationsring um das Bein erhalten, gehört schon lange zum Standard. Der Vogel trägt’s mit Gelassenheit, schließlich dient es dem Erhalt seiner Spezies. Man hat Störche auch bereits mit kleinen Sendern ausgerüstet, die die genaue Position der besenderten Tiere melden.
Störche gehören zu den Lieblingstieren der meisten Naturdetektive. Sie sind ja auch schmucke Frühlingsboten, wenn sie von einer langen Winterreise in den Süden zu uns zurückfinden. Waren die ersten von ihnen eingetroffen, wussten bereits frühere Generationen der Bevölkerung, dass der Frühling nun endgültig eingekehrt war und dass die oft lange Zeit der Eintönigkeit im Essen und sogar des Hungerns nun zu Ende ging. Alle alten Vorräte waren aufgebraucht, aber nun gab es wieder etwas zum Ernten in den Gärten, während die Weißstörche (Ciconia ciconia) sich auf ihrem Nest mit lautem Geklapper begrüßten. Denn die meisten Paare kennen sich oftmals bereits. Sie haben schon im letzten Jahr hier gemeinsam Ihre Jungen großgezogen. Während der langen Reise nach Afrika haben sie sich allerdings aus den Augen verloren. Und so kommt es, dass nun jeder für sich auf eigene Faust zum Nest zurückfinden muss. Es können durchaus etliche Tage vergehen, bis der zweite Partner nach einer 10.000 Kilometer langen Reise zum Nest heimkehrt. Wie groß ist dann die Wiedersehensfreude! Und mit ihnen freute sich immer schon der Mensch: Brachte der Storch doch die Wärme des Sommers und die Aussicht auf reiche Ernte gleich huckepack mit im Gepäck. Und so kam es, dass die Weißstörche schon vor vielen Menschengenerationen vor allem zu Einem wurden: Zu Glücksbringern und Fruchtbarkeitssymbolen, die dann irgendwann sogar - so ging die Mär - nachts im Schlaf den Frauen, die sich ein Kind wünschten, angeblich ihre Babys bringen würden. Na, von dieser Geschichte habt ihr bestimmt auch schon gehört.
Der Weißstorch ist ein Kulturfolger
Im Gegensatz zu seinem Verwandten, dem Schwarzstorch, ist der Weißstorch ein Kulturfolger. Zwischen Mensch und Weißstörchen hat sich über die Jahrhunderte bäuerlicher Tätigkeiten eine Lebensgemeinschaft gebildet. Schon seit Jahrtausenden stelzen Störche hinter dem pflügenden Bauern her, immer auf der Suche nach Fressbarem, was der Pflug frisch aus der Erde ans Sonnenlicht befördert: Das können Mäuse- und Hamsternestlinge sein, Frösche, Schnecken, Regenwürmer und Engerlinge. Auch sein riesiges Reisignest baut der Storch gerne in der Nähe menschlicher Höfe auf, zum Beispiel auf Scheunen oder Kirchtürmen: zumindest früher fiel auf den Höfen immer noch so mancher Extrahappen für ihn ab, etwa die tote Maus, die die satte Katze liegen ließ.
(cc-by-sa, Marek Szczepanek_Ardea cinerea 2 @wikipedia.de) Graureiher haben ein typisches Flugbild: Während Kraniche und Störche den Hals im Flug gerade vorstrecken, zieht der Reiher den Hals bogenförmig zurück. Sie sind standorttreu und wandern keine großen Strecken.
Freund Adebar ist ein Langstreckenzieher
Weißstörche gehören zu den wandernden Tierarten. Dabei überwinden sie große Strecken. Eigentlich haben sie zwei gleichwertige Heimatareale: Eines in Europa und eines in Afrika. In ihrer ersten Heimat Europa werden sie geboren. Einen kurzen Sommer lang wachsen sie dort auf. Noch in ihrem ersten Lebensjahr fliegen sie mit ihren Eltern das erste Mal - bevor in Europa der Winter hereinbricht - die weite Strecke nach Afrika. Sie sammeln sich in Europa an Sammelplätzen für die Flugrouten rund ums Mittelmeer; die östliche Route über die Türkei und Syrien, und die westliche Route über Frankreich, Spanien und Marokko. Oft weit über den Äquator hinaus. Wenn dann nach einem halben Jahr in Europa der Frühling einzieht, machen sich die Störche auf den gefährlichen Weg zurück zu ihren Nestern. Durch Gebietsreformen, Trockenlegungen und die Umstellung der bäuerlichen Anbaupraktiken sind die Weißstorchbestände in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts in Deutschland dramatisch eingebrochen. Heute sind durch intensive Stützungs- und Wiederbesiedlungsmaßnahmen die Weißstorchbestände in ganz Europa wieder stabil.

(cc-by-sa, Bramse_Weissstorch Verbreitungskarte-de @wikipedia.de) Gelbe Flächen sind die Brutareale in Europa, Afrika und Asien - Blaue Flächen sind die Überwinterungsgebiete
Erfolge im Naturschutz
Erst gezielte Maßnahmen zur Wiederansiedlung, zum Nestschutz und die Wiedervernässung von Lebensräumen haben die Lebenssituation für den Weißstorch so verbessert, dass er bei uns wieder häufiger zu sehen ist. Freund Adebar geht es also wieder gut in Deutschland. Aber - wenn man dann einmal einen in natürlicher Umgebung zu sehen bekommt, ist es immer noch etwas ganz Besonderes! Dabei sind sie an den Sammelplätzen in Spanien und über Syrien/Israel vor ihren großen Zügen oft zu Hunderten zu sehen. Im Gegensatz zu den Kranichen lässt sich der Weißstorch von günstigen Winden und der Thermik kreisend hoch oben in den Himmel verfrachten. Da die Aufwinde über dem kühlen Meer fehlen, meiden Störche den Überflug über das offene Wasser. Anders die Kraniche: In geschlossener V-Formation ziehen sie mit strammem Flügelschlag im Herbst und im Frühjahr laut trompetend über unsere Köpfe hinweg. Sie können auch über das Wasser fliegen. Wohin? Na, ratet mal!

(cc-by-sa, Henrike Mühlichen_Whitestorkflock @wikipedia.de) Ein großer Pulk Weißstörche (''Ciconia ciconia'') während des Herbstzuges über Israel. Störche haben Sammelpunkte in Kleinasien (Ostroute) und auf der Iberischen Halbinsel (Westroute), um das Mittelmeer links und rechts im lockeren Schwarm zu umfliegen

(Foto: natdet, HU) Die geordnete Keilflugformation der Kraniche übt der Storch nicht aus. Der Weißstorch ist vom Typ her ein Segler, der die thermischen Aufwinde perfekt zu nutzen versteht und sich himmelwärts schraubend ohne Flügelschlag über große Strecken fortbewegt








