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Lexikon

Die Stockwerke des Waldes


(Grafik: Elke Freese cc0@wikipedia.de)
Aufbau der Stockwerke

Viele Wälder sind wie ein Haus mit mehreren Etagen aufgebaut. Durch die unterschiedliche Höhe der Pflanzen entstehen im Wald verschiedene Stockwerke. Den „Keller“ des Hauses bildet die Wurzelschicht. Das „Erdgeschoss“ nennt man Bodenschicht. Drauf folgt der "erste Stock", die so genannte Krautschicht. Die Strauchschicht bildet den "zweiten Stock". Die Baumschicht ist das "Dachgeschoss".

Der Keller: Die Wurzelschicht

Dachse bauen ihren Dachsbau in der Wurzelschicht. (Foto: Templermeister / pixelio.de)
Ein Dachs in einem winterlichen Wald

Im "Keller" des Waldes befinden sich die Wurzeln der Pflanzen, die die anderen Stockwerke bilden. Zwischen diesen unterirdischen Wurzeln graben Mäuse und Dachse ihre Tunnel und Baue. Typische Bewohner der Wurzelschicht sind Tausendfüßer und Regenwürmer. Im Winter ziehen sich auch einige Insekten, Reptilien und Amphibien aus der Bodenschicht dorthin zurück. Kröten, Frösche und Schlangen verfallen dann in eine sogenannte Kältestarre. 

Das Erdgeschoss: Die Bodenschicht

Moos wächst in der Bodenschicht des Waldes. (Foto: cc-by-sa Adalbert Buchacz@wikipedia.de)
Moos

Die Bodenschicht wird von Moosen, Flechten, Pilzen und herabgefallenen Nadeln und Blättern gebildet. Die Nadeln und das Laub werden von Kleinstlebewesen zu Humus zersetzt. In der Bodenschicht wachsen niedere Blütenpflanzen wie Sauerklee und Haselwurz. Außerdem bietet sie auch vielen Insekten, Spinnen und Reptilien einen Lebensraum. Hier tummeln sich Eidechsen, Salamander, Asseln, Aaskäfer, Wanzen und Schnecken. Auch kleine Säugetiere wie Mäuse und Igel sind hier Zuhause, denn hier finden sie Unterschlupf und Nahrung.

Der erste Stock: Die Krautschicht

Wie üppig die Kraut- und Strauchschicht im Wald ausgeprägt ist, hängt vom Sonnenlicht ab, das den Waldboden erreicht. (Foto: gemeinfrei von wikipedia.de)
Blick auf die Kraut- und Strauchschicht
Farn ist eine typische Pflanze der Strauchschicht. (Foto: cc-by-sa Manfred Werner@wikipedia.de)
Farn
Das Scharbockskraut blüht schon im frühen Frühjahr. (Foto: H. Zell cc-by-sa 3.0)
Scharbockskraut mit gelben Blüten

Der erste Stock - die Krautschicht - wird aus Gräsern, Farnen, Kräutern und Blütenpflanzen gebildet. Diese Schicht erstreckt sich ungefähr bis in 1,50 Meter Höhe. Hier kann man zum Beispiel Schmetterlinge und ihre Raupen, Bienen, Wespen, Käfer und in der Dämmerung auch Glühwürmchen beobachten. Die Pflanzen in der Krautschicht dienen ihnen als Nahrungsquelle.

Licht- oder Schattenwald? 

An Stellen, wo Kiefern und Lärchen wachsen, ist die Krautschicht üppiger, da diese Bäume mehr Licht durchlassen. In sogenannten Schattenwäldern ist die Krautschicht weniger ausgeprägt, denn Bäume wie Buche, Fichte und Tanne haben ein sehr dichtes Blätterdach und somit gelangen auch weniger Sonnenstrahlen an den Boden.

Tricks der Frühblüher

Frühblüher wie Buschwindröschen und Scharbockskraut können hier trotzdem gedeihen, denn sie haben einen Trick: Sie blühen im frühen Frühjahr, noch bevor die Bäume Blätter tragen und ein geschlossenes Blätterdach den Boden abdunkelt. Dann bilden diese Pflanzen ganze Blütenteppiche in den Buchenwäldern. Sie sind die ersten Nektarlieferanten und für Insekten eine wichtige Nahrungsquelle.

Der zweite Stock: Die Strauchschicht

Blühender Schlehdorn gehört zur Strauchschicht. (Foto: cc-by-sa Milgesch@wikipedia.de)
blühende Schlehen
Holunderbeeren kann man im September ernten. (cc-by-sa Martin Röll@wikipedia.de)
reife Frucht d. Schwarzen Holunders
In der Strauchschicht finden auch die Vögel Nahrung und Unterschlupf. (Foto: Jutta Nowack / pixelio.de)
Amsel auf Beerenstrauch im Winter

Über der Krautschicht befindet sich die Strauchschicht. Sie erstreckt sich bis in eine Höhe von etwa fünf Metern.

Unterschlupf und Nahrung

In der Strauchschicht findet man viele Sträucher wie Haselnuss, Weißdorn und Holunder. Hier finden zum Beispiel Rehe Unterschlupf vor ihren Feinden und Vögel bauen ihre Nester. Dort können sie sich verstecken und werden durch die Dornen der Sträucher geschützt. Die Strauchschicht dient vielen Tieren außerdem als Nahrungsquelle. Früchte wie Vogelbeeren, Holunderbeeren, Hagebutten, Schlehen, Himbeeren, Brombeeren oder Haselnüsse liefern wertvolle Energie. Aber auch die Blüten dienen vielen Insekten als Nahrungsquelle.

Natürlicher Waldrand

Je mehr Licht den Waldboden erreicht, um so dichter und üppiger ist auch die Strauchschicht ausgeprägt. Das erkennst du zum Beispiel auf Lichtungen oder dort, wo viele Bäume beieinander stehen und durch einen toten, zusammengebrochenen Baum eine Lücke entstanden ist. Sträucher bilden an den Waldrändern einen natürlichen Übergang zwischen dem Wald und Wiesen oder Feldern.

Das Dachgeschoss: Die Baumschicht

Das Dach des Waldes sind die Baumkronen. (Foto: cc-by-sa Tortousa@wikipedia.de)
Blick hinauf zum Dach des Waldes
Hier siehst du den Kobel eines Eichhörnchens. (cc-by-sa Mathieu Giraudeau@wikipedia.de)
Kobel (Nest) eines Eichhörnchens
Der Baumwipfelpfad im Nationalpark Hainich. Hier kannst du zwischen den Baumkronen spazierengehen. (Foto: Nationalpark Hainich/Thomas Stephan)
Baumkronenpfad im Nationalpark Hainich

Zum Schluss folgt das oberste Stockwerk des Waldes – die Baumschicht. Sie bildet das Dach des Waldes. Die höchsten Bäume können eine Höhe von mehr als 40 Metern erreichen.

Man findet in der Baumschicht sowohl Laub- als auch Nadelbäume. Zu den Nadelbäumen gehören zum Beispiel Tannen, Fichten und Kiefern. Zu den Laubbäumen zählen zum Beispiel Eichen, Ahorn und Buchen.

In den Baumkronen zu Hause

Das Dach des Waldes mit seinen Baumkronen ist Lebensraum vieler Waldtiere. Es bietet seinen tierischen Bewohnern Schutz vor Regen und Sonne. Hier leben Eichhörnchen, Baummarder und viele Vogelarten wie Eichelhäher, Zilpzalp, Kleiber und Kreuzschnabel. Eulen und andere Greifvögel nutzen die Bäume als Spähposten für Jagdflüge, als Nist- und Brutplätze.

Leben im Baumstamm

Auch die Stämme der Bäume bieten ein optimales Zuhause für manche Tierarten. Der Specht zum Beispiel nutzt Baumhöhlen, um dort seine Jungen aufzuziehen. Andere typische Baumhöhlenbewohner sind Fledermäuse, Baummarder und Siebenschläfer. In den Stämmen leben auch einige Insekten, wie zum Beispiel verschiedene Käferarten. Beim Förster unbeliebt ist der Borkenkäfer, der große Schäden anrichten kann, wenn er in Massen auftritt. Er frisst sich in die Rinde und legt dort seine Eier ab. Dadurch wird der Baum so sehr geschädigt, dass er sogar absterben kann. Mischwälder mit vielen verschiedenen Baumarten sind jedoch robust genug, dass sie einen Borkenkäferbefall verkraften können.

Bei welchen beiden Baumarten handelt es sich um sogenannte Schattenbaumarten?
A oder B oder C - nur eine Antwort ist richtig.
A Buche und Tanne
B Kiefer und Lärche
C Birke und Buche

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Frag Konstantin

Hamster Konstantin

Gibt es in allen Wäldern fünf Stockwerke? Das wollte Imke (11) wissen.

Und so hat Konstantin geantwortet:

Nein, nicht jeder Wald bildet alle fünf Stockwerke aus. Wie stark eine Schicht ausgeprägt ist, hängt vom einfallenden Sonnenlicht ab. Je mehr Sonnenstrahlen an den Boden gelangen, um so deutlicher sind die verschiedenen Schichten. In einem Tannenwald gibt es zum Beispiel kaum Sträucher, da Tannen sehr dicht sind und wenig Sonnenlicht hindurch lassen. Auch Buchen haben ein dichtes Blätterdach. Am besten kannst du die Stockwerke in einem Eichen-Mischwald beobachten.

Selber eine Frage an Konstantin stellen

Noch mehr wissen?

(Foto: Sixta Görtz)
Zwei Kinder im Baum

Lies hier alles über Bäume: Wie alt können sie werden, wie hoch ist der höchste Baum und wie trinken Bäume eigentlich?

Zu den Bäumen

Was weißt du über Bäume? Finde es heraus!

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Licht im Wald

(Foto: gemeinfrei)
Sonnenstrahlen, die durch eine Baumkrone dringen

Wenn im Sommer die Sonne auf die Wälder scheint, erreicht nur ein kleiner Teil des Sonnenlichts den Waldboden. Den größten Teil der Sonnenstrahlen, nämlich 80 Prozent, nehmen die Bäume mit ihren Blättern auf. Dafür richten sie ihre Blätter so aus, dass es kaum Lücken im Blätterdach gibt. Die Strauchschicht erreichen nur noch neun Prozent des Sonnenlichts. Gerade einmal zwei Prozent bekommen die Pflanzen am Waldboden noch ab.

Die restlichen 10 Prozent des einfallenden Sonnenlichts werden von der Blattoberfläche der Bäume zurück in die Atmosphäre reflektiert.

Den Wald erleben!

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Licht- und Schattenbäume

(Foto: gemeinfrei)
Lichter Kiefernwald mit Unterholz

Hast du auch schon einmal festgestellt, dass je nach Baumart ganz unterschiedliche Lichtverhältnisse in einem Wald herrschen können? So ist es im Sommer in einem Kiefernwald sehr viel sonniger, heller und wärmer als in einem schattigen Buchenwald. Und ein Tannenwald wirkt sehr viel finsterer als ein Birkenwäldchen.

Man unterscheidet daher auch zwischen Licht- und Schattenbaumarten. Birke, Kiefer und Lärche sind typische Lichtbaumarten. Sie lieben es hell und sonnig und dunkeln den Boden mit ihren Baumkronen nur wenig ab. Wenn sie viel Licht abbekommen, werden sie schnell groß. Tanne und Buche zählen zu den Schattenbaumarten. Sie wachsen zwar langsamer, können dafür aber auch mit wenig Licht auskommen. Unter Schattenbaumarten wächst nur wenig Unterholz, weil sie den Waldboden stark abdunkeln.