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Lexikon

Eingeschleppt und ausgesetzt - invasive Arten

Gefahr für die Biologische Vielfalt

(Foto: gemeinfrei, cc0)
Waschbär

Was hat ein Waschbär mit einem Mink, einer Wollhandkrabbe und einem Riesen-Bärenklau gemeinsam? Alle vier würden unter natürlichen Bedingungen nicht in Deutschland vorkommen. Sie wurden von Menschen unbemerkt oder absichtlich eingeschleppt - und sind zum Problem geworden: Waschbär, Mink, Wollhandkrabbe und Bärenklau bedrohen die biologische Vielfalt.

Wie gelangen Tiere und Pflanzen aus anderen Erdteilen zu uns?

Mit Schaftswolle aus Südafrika kamen Samen des Schmalblättrigen Greiskrauts zu uns. (Foto: Kristian Peters cc-by-sa 3.0)
Gelbe Blüten des Schmalblättrigen Greiskrauts
Einige Halsbandsittiche sind vermutlich vor vielen Jahren aus einem Zoo ausgerissen. Inzwischen gibt es im Rheinland und in Hessen fast 8000 frei lebende Halsbandsittiche. Eigentlich kommen sie aus Afrika.(Foto: J.M. Garg cc-by-sa 3.0)
Zwei Halsbandsittiche auf einem Zaun

Jeden Tag kommen neue Tier- und Pflanzenarten nach Deutschland. Viele von ihnen werden von Menschen unbemerkt eingeschleppt. Pflanzensamen aus Russland bleiben zum Beispiel an LKW-Reifen kleben, Muscheln aus der Karibik fahren als blinde Passagiere auf Schiffen mit, Insekten aus Südamerika verirren sich in Obstkisten, die mit dem Flugzeug transportiert werden.

Zu kalt, zu nass, zu wenig Futter

Die meisten exotischen Arten können bei uns in der Natur aber nicht überleben. Es ist ihnen zu kalt, zu nass oder sie finden nicht die richtige Nahrung. Es gibt aber auch Tiere und Pflanzen aus anderen Regionen der Erde, die sich ihrem neuen Lebensraum anpassen können, sich vermehren und in die Natur bei uns einfügen. Solche Tier- und Pflanzenarten nennt man "gebietsfremde Arten". Wissenschaftler sprechen von "Neobiota" - also "neue Lebewesen". Zur Zeit leben in Deutschland ungefähr 800 verschiedene Neobiota - Arten.

Was sind "invasive Arten"?

Noch ein Zooflüchtling: Die Schwarzkopf-Ruderente ist eine invasive Art, weil sie sich mit der seltenen Weißkopf-Ruderente paaren kann. So beschleunigt sie deren Aussterben. (Foto: Tom Koerner cc-by 2.0)(Foto: Tom Koerner cc-by 2.0)
Zwei Männchen der Schwarzkopfruderente auf einem Gewässer

Viele Neobiota sind harmlos - aber längst nicht alle. Es gibt unter ihnen Tiere und Pflanzen, die eine Gefahr für heimische Arten sind - zum Beispiel, weil sie Krankheiten übertragen, den heimischen Arten den Lebensraum oder die Nahrung wegnehmen oder einfach, weil sie sie fressen. Solche Neobiota nennt man "invasiv". Das Wort kommt von dem Begriff "Invasion", was so viel heißt wie "feindliche Eroberung".

Welche Gefahr von einer invasiven Art für die heimische Natur ausgeht, kann je nach Tier oder Pflanze ganz unterschiedlich sein.

Wie gefährden invasive Arten die Artenvielfalt?

Waschbären werden in vielen Zoos gehalten, kommen bei uns aber auch in großer Zahl in der freien Natur vor.(Foto: Katrin S. / pixelio.de)
Winkender Waschbär im Zoo
Amerikanische Ochsenfrösche wurden absichtlich in der Natur ausgesetzt - jetzt sind sie zum Problem geworden. (Foto: gemeinfrei, cc0)
Amerikanischer Ochsenfrosch
Riesen-Bärenklau verdrängt nicht nur andere Pflanzen, sondern ist auch noch giftig und für Säugetiere gefährlich. (Foto: gemeinfrei, cc0)
Riesen-Bärenklau
Minke stammen ursprünglich aus Amerika. Bei uns gelten sie als invasiv, weil sie die seltenen Europäischen Nerze verdrängen. (Foto: Stephan Morris / fotolia)
Mink im Gras

Putziger Eroberer

Der bekannteste Eroberer ist der Waschbär. Vor 90 Jahren sind einige Waschbären aus einem Gehege in Süddeutschland ausgebüxt. Andere wurden durch Jäger absichtlich ausgesetzt. Seitdem lebt der putzige kleine Bär bei uns in der freien Natur. Doch auch, wenn er so niedlich aussieht, ist er inzwischen ein handfestes Problem. Er frisst nämlich gerne Eier und Jungvögel und mag auch seltene Frösche, Schlangen und junge Schildkröten. Außerdem klaut er Eulen und Fledermäusen die Bruthöhlen.

Ein Frosch aus Amerika

Seit 1990 lebt in Süddeutschland ein ziemlich großer Frosch: Der Amerikanische Ochsenfrosch. Auch er ist eine Gefahr für heimische Frösche, Kröten und Molche, denn er überträgt eine Pilzkrankheit. Er selbst wird nicht krank, denn in seinem ursprünglichen Lebensraum in Amerika konnte er sich über Jahrtausende an die Krankheitserreger anpassen. Unsere heimischen Amphibien hatten diese Zeit aber nicht. Für sie endet die Krankheit meistens tödlich.

Bärenklau aus dem Kaukasus

Den Riesen-Bärenklau hast du bestimmt schon einmal gesehen: Er kann drei Meter hoch werden und trägt im Spätsommer große weiße Blüten. Aber Vorsicht: Die Pflanze enthält ein Gift, das bei Menschen und anderen Säugetieren die Haut schwer verletzen kann. Außerdem verdrängt der Riesen-Bärenklau andere Pflanzen in seiner Umgebung, denn er beginnt schon im Februar zu wachsen und große Blätter auszubilden. Die stellen alles um sie herum in den Schatten - bis dort nichts mehr wächst.

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Zutritt verboten!

Nutria. (Foto: Timo Sack cc-by-sa 3.0)
Nutria

Invasive Arten gehören zu den größten Gefahren für die Artenvielfalt. Deshalb hat die Europäische Union im Juli 2016 eine Liste der schlimmsten invasiven Arten veröffentlicht. 37 Tier- und Pflanzenarten stehen darauf. Für sie gilt: Ab sofort ist es verboten, sie in die EU zu bringen, sie hier zu halten, zu züchten oder in der Natur auszusetzen!

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(Foto: Entomart@wikipedia.de)
Asiatischer Marienkäfer

Hier findest du Fotos von Arten, die bei uns häufig, aber nicht heimisch sind. Wetten, dass du die meisten